Betroffene

 

 

Wir hoffen, dass wir Ihnen hier bald noch mehr Betroffene vorstellen können, die aus ihrer Sicht erzählen, welche Erfahrungen sie mit Feuerwerk machen und welche Gesundheitsprobleme sie in diesem Zusammenhang bekommen.

 

 

 

Susanne von Dach, August 2002:

Ich selber bin Asthmatikerin und leide zusätzlich an einer Chemikalienunverträglichkeit. Seit Jahren leide ich immer mehr unter Feuerwerk: Augenschmerzen, Atembeschwerden bis hin zu schwersten Asthmaanfällen, Uebelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Nervenschmerzen am ganzen Körper, Kreislaufprobleme, Herzbeschwerden, Ohrenschmerzen etc.

Es braucht im Durchschnitt 3 – 4 Wochen, bis meine Lunge wieder auf demselben Stand wie vor dem Feuerwerk ist.

Für mich - wie für viele Menschen weltweit - sind Tage wie der 1. August und Silvester wegen des Feuerwerks schon lange kein Grund zum Feiern mehr, sondern ein gesundheitlicher Albtraum.

 

 

 

Michaela Penk, Januar 2003:

Dieses Silvester verbrachte ich im österreichischen Gasteinertal. Gegen Mitternacht gingen wir ins Zentrum von Bad Hofgastein, wo ein dicker Nebel hing. So schlimm wie heuer war es noch nie mit den Raketen, und Krachern. Durch den Nebel roch die Luft extrem nach Schwefel und anderen Chemikalien. Nach einer guten Stunde verließen wir das Spektakel beinahe fluchtartig.
Ich hatte vor zwei Jahren zu rauchen aufgehört und reagiere daher extrem empfindlich auf Gestank. Ausserdem war ich als Kind Asthmatikerin. Am nächsten Tag in der Früh wachte ich auf und mir war furchtbar schlecht. Ich erbrach und hatte extrem starke Schmerzen in Magen und  Darm. Ich hatte auch vier Tage lang Durchfall.

 

 

 

Monika Ebel, Februar 2003:

Feuerwerk? Davon bekomme ich Kopfschmerzen und 2 - 3 Tage lang Gliederschmerzen.

 

 

 

Urs Schärz, Februar 2003:

Ich bin schwer allergisch auf Chemikalien mit all den entsprechenden Folgeerscheinungen. Ich wohne in einer Gegend, wo in unmittelbarer Nähe ganz viele Menschen zusammenkommen, um den 1. August zu feiern. In den letzten zwei Jahren entwickelte sich dieser Tag zu einer kleinen Katastrophe. Durch spezielle Wetterlagen verflüchtigten sich die extremen Dämpfe und Schwefelgerüche der Feuerwerkskörper für mindestens zwei Tage nicht mehr. Ich musste die Fenster geschlossen halten, um meine körperlichen Reaktionen darauf einigermassen im Griff zu behalten. Trotz aller Vorsicht hatte ich folgende Beschwerden: extreme Kopfschmerzen, tränende Augen, tropfende Nase und vehemente Atemprobleme. Schlafen konnte ich erst wieder richtig, als sich die Dämpfe endlich verflüchtigt hatten. Noch Tage danach hatte ich Schwindelanfälle, entzündete Schleimhäute, von den vermehrten starken Ohrengeräuschen (Tinnitus) wegen der tagelangen Knallerei nicht zu reden. Sogar meine Katze verliess in dieser Zeit das Haus nicht mehr und hustete. Dass mein Hund nach solchen Aktionen tagelang entnervt ist und sich wegen der Knallerei in irgendeine Ecke des Hauses verkriecht, bin ich mir sowieso schon seit Jahren gewöhnt. 

 

 

 

Peter Arni, Februar 2003:

Schon die Knallerei x-Tage vor und nach dem 1. August ist eine Zumutung; aber das tollste daran ist, wenn man dank all der übrigbleibenden Gerüche und Dämpfe noch zu den Kopfschmerztabletten greifen muss.

 

 

 

M. F.*, März 2003:

Feuerwerk löst bei mir allergische Reaktionen im Rahmen der MCS mit akuten Atembeschwerden und Hautrötungen/ -brennen aus. Krankheitssymptome während mehreren Tagen: erhöhte Körpertemperatur, Hautprobleme während Tagen, Verdauungsstörungen, Muskelschmerzen am ganzen Körper, heftigste Kopfschmerzen.

 

 

 

R. K.*, März 2003:

Schon Spuren des aggressivien Feuerwerkqualm lösen bei mir Atembeschwerden, Schwindel, überall Schmerzen, Herzrasen, Uebelkeit, Zittern, Schleimhautentzündung und Ohrenpfeifen aus.

 

 

 

Frieda Sulzer, April 2003:

Schwindelanfälle, Herzklopfen, Stechen und Brennen Mund, Augen, Nase, Ohren bis zum Erbrechen.

 

 

 

H. H.*, August 2003:                                  

Feuerwerk? Davon bekomme ich Atembeschwerden, die Schleimhäute werden belastet (mir "bleibt manchmal die Stimme weg"), Augenbrennen, Druck im Kopf und Schwindel.

 

 

 

Susanna Stauffer-Meyer, September 2003:

Der Chemikalienmix im Feuerwerk löst bei mir Uebelkeit und Durchfall, Schmerzen am ganzen Körper, Augenschmerzen und Atem- und Herzbeschwerden aus.

 

 

 

Theresa Christen, April 2004:

Wenn ich Rauch von Feuerwerk einatmen muss löst das bei mir folgende Beschwerden aus:
starke Atembeschwerden, Schwindel,  Uebelkeit, Herzrasen, brennende und tränende Augen.

 

 

Franziska Brunner, Mai 2004:

Durch den Feuerwerksqualm bekomme ich Augen- und Kopfschmerzen und Atembeschwerden.

 

 

Silvia Engel, Mai 2004:

Ich versuche grundsätzlich, Feuerwerk so gut wie möglich zu meiden, da Feuerwerksqualm bei mir schwere Atemnot, Herzrasen, tränende Augen, Kopfschmerzen und Uebelkeit auslöst.

 

 

 

Ruth Kaufmann, Mai 2004:

Durch die Chemikalien im Feuerwerksqualm werden meine Schleimhäute angegriffen, brennender Mund, Zunge, Gaumen... es dauert in der Regel 1 - 2 Tage, bis das Brennen wieder verschwunden ist. Zusätzlich bekomme ich Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall.

 

 

 

Arlette Béguelin, Mai 2004:

Vom Feuerwerksqualm wird mir schwindlig und übel und meine Haut fängt an zu jucken.

 

 

 

Sonja Irmgard Lautenschlager, Juni 2004:

Die Chemikalien (von Feuerwerk) rufen bei mir Husten, Atembeschwerden, Augenreizungen und Kopfschmerzen hervor.

 

 

 

Marianne Airut, Juni 2004:

So gut wie möglich versuche ich Feuerwerk zu meiden, da ich davon Atemnot und Kopfschmerzen bekomme.

 

 

 

Edith Bolliger, Juni 2004:

Feuerwerk? Davon bekomme ich Atemnot und Kopfschmerzen. Ueber den 1. August flüchte ich mich an einen "Feuerwerks-freien" Ort.

 

 

 

Ilse Tanner, Juni 2004:

Feuerwerk? Es geht mit Augenproblemen los, Uebelkeit, Schmerzen am ganzen Körper, am schlimmsten betroffen sind die Atemwege. Wann immer möglich, versuche ich, über den 1. August ins Ausland zu flüchten.

 

 

 

Jacqueline Perret, Juli 2004:

Der Chemikalienmix im Feuerwerk löst bei mir brennende Augen, Atemnot, Kopfschmerzen und Uebelkeit aus. Am Tag darauf habe ich jeweils eine aufgeschwollene Augenpartie.

 

 

 

Gerda Gerschwiler, September 2008:

Am Vorabend des Nationalfeiertages 1999 besuchten mein Freund und ich die Quaianlagen in Arbon. Dort herrschte reges Treiben: das Hafenfest hatte viele Besucher angelockt, Kinogänger machten sich auf den Weg zum Kino am See und weil es noch so schön und warm war, tummelten sich auch viele Kinder am See und auf der Wiese herum. Wir setzten uns auf einer Bank, vor uns lag der Bodensee, hinter uns eine grosse Spielwiese, wo ein Kind mit einem älteren Herrn – seinem Grossvater, wie sich später herausstellte – spielte. Ich hatte die zwei nur aus einem Augenwinkel gesehen und dachte, sie spielten mit Frisbees oder würden sich sonst Bälle zuwerfen. Arglos genossen wir unser Eis, bis ich urplötzlich zuerst einen Schlag im Nacken verspürte, mit einem warmen, nicht unangenehmen Gefühl, und dann einen Knall hörte. Mein Freund hatte gesehen, wie etwas – zuerst dachte er auch, es sei ein Ball – meinen Kopf touchiert hatte. Er sprang sofort auf, um sich den Übeltäter zu schnappen, während ich mich, im Schock, um meine zerfledderte Bluse sorgte. Erst nach 5' merkte Markus, dass ich am Hinterkopf blutete. Der herbeigeeilte Samariter-Mitarbeiter bot an, mir ein Pflaster draufzukleben, aber zum Glück bestand Markus darauf, dass wir in ein Krankenhaus gingen für die notärztliche Versorgung. Er hatte nl. Ohrenschmerzen, und wusste mittlerweile, dass es sich beim Wurfgeschoss um eine Petarde handelte, die vom etwa 6jährigen Jungen abgefeuert wurde*. Wir fuhren sofort nach St. Gallen ins Kantonsspital, wo festgestellt wurde:

. Mein Begleiter hatte ein schweres Hörtrauma, das sich medikamentös behandeln liess

. Ich hatte ein schweres Hörtrauma, einen Hörsturz, ein Loch im linken Trommelfell und mehrere oberflächliche Verbrennungen am Hals, Hinterkopf und Oberarm. Aufgrund des Verdachtes auf Tinnitus wurde ich während einer Woche mit blutverdünnenden Infusionen behandelt.

Die Betreuung am Kantonsspital St. Gallen war tadellos. Ich fühlte mich jederzeit gut aufgehoben und begleitet. Trotzdem trage ich neun Jahre später immer noch die Folgen dieses Malheurs:

 . Die Verbrennungsnarben sind sehr gut sichtbar, leider können sie nicht kosmetisch retouchiert werden. Zum Glück lassen sie sich im Herbst/Winter verstecken.

. Ein irreparabler Hörschaden hat dazu geführt, dass ich gewisse Töne nie mehr hören werde.

. Ich bin deutlich lärmempfindlicher als früher und sehr schreckhaft. Für Aussenstehende ist das kaum nachvollziehbar, weil der Unfall schon lange zurückliegt.

. Ich stosse oft auf Unverständnis: die Folgen werden bagatellisiert.

. Auf Stressituationen in grossen Menschenmengen oder während hektischen Zeiten im Berufsalltag, wo viele Impulse gleichzeitig verarbeitet werden müssen, reagiert mein Körper an der empfindlichsten Stelle, am Ohr: und zwar mit Tinnitus-Anfällen, die sich gewaschen haben. Zum Glück gelingt es mir, diese Attacken in den Griff zu bekommen.

*Nachspiel: Der kleine Junge stamme aus Sizilien und besuchte seinen Grossvater, der in Arbon wohnte. Zwar hatten wir die Adresse der Aufsichtsperson, aber zu einer Entschuldigung oder Schadenersatzzahlung mir gegenüber bzw. meiner Versicherungsgesellschaft ist es nie gekommen.

 

 

 

 

 

* Zuerst war ich dagegen, von jemandem eine Aussage über seinen Gesundheitszustand nur unter seinen Anfangsinitialen auf die Homepage zu stellen. Nachdem ich mir aber einige Geschichten angehört hatte und erfuhr, wie sich Nachbarn denjenigen gegenüber verhalten, die um Rücksichtnahme betr. Abbrand von Feuerwerk bitten, habe ich meine Ansicht geändert. 

Es ist eine Schande - und ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft -, dass manche Leute, statt Rücksicht auf den schlechten Gesundheitszustand anderer zu nehmen, dies dazu benutzen, anderen "eins auszuwischen" und sie zu verletzen.

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich diejenigen persönlich kenne, bei denen ich nur die Anfangsbuchstaben ihres Namens benutzen darf und deshalb weiss, dass ihre Angaben stimmen.   Susanne von Dach

 

 

 

 

 

 

 

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