Feuerwerk / Feinstaub

Ø       Ueber den 1./2. August (Nationalfeiertag) stieg mit dem Abbrennen von Feuerwerk die Schadstoffbelastung der Luft in der Schweiz explosionsartig an. Die Feinstaubkonzentration überstieg den Immissionsgrenzwert um ein Vielfaches.          mehr darüber (sowie eine Tabelle der Feinstaubwerte vom 1. August 2007) finden Sie hier...

 

 

 

Wird über die negativen Seiten von Feuerwerk gesprochen, kommen meistens nur die zahlreichen Verbrennungs- und Explosionsschäden zur Sprache sowie Augen- und Ohrenschäden. Es wird gern beiseite gelassen, dass Feuerwerksqualm grösstenteils aus lungengängigem und giftigem Feinstaub (PM10 / "Particulate matter smaller than 10 microns") besteht.

   

PM10 kann sowohl bestehende Krankheiten verschlimmern als auch neue hervorrufen. Deshalb ist nicht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung betroffen, sondern jeder einzelne von uns: Feinstaub macht vor keiner Lunge halt!

 

Bei grosser PM10-Belastung atmen wir mit jedem Atemzug Millionen von Feinstpartikeln ein. Beim Einatmen werden die grösseren Partikel (5-10µm) bereits in Nase und Rachen ausgefiltert; die kleineren Partikel (3-5µm) gelangen in die Luftröhre, in die Bronchien (2-3µm), die Bronchiolen (1-2µm) und in die Lungenbläschen (0.1-1µm) - und gelangen so in den Blutkreislauf! Dort angekommen können sie kleine Blutpfropfen bilden - oder medizinisch gesagt Thrombosen -, die im schlimmsten Fall zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen können. Mit dem Blut werden die Partikel im ganzen Körper verteilt; dies erklärt auch, warum Feinstaub nicht nur die Atemorgane beeinträchtigt.

 

Die Partikel lassen sich nicht mehr abhusten, die Ablagerungen führen auf Dauer und vor allem bei vorgeschädigten Menschen zu Entzündungen, unter denen besonders Asthmatiker leiden. Doch auch bei Gesunden (auch wenn diese direkt keinen Reiz verspüren) lagern sich die Partikel ab.

 

An die zerklüftete Oberfläche der Staubpartikel können sich auch verschiedene andere Stoffe, die in der Luft enthalten sind, anheften und so in den Körper getragen werden. Sie verstärken dann die gesundheitsschädigende Wirkung des Staubes. An Feiertagen, an denen viel Feuerwerk abgebrannt wird, sind es primär Schwermetallverbindungen, die sich an den Staubpartikeln festsetzen.

 

Mittlerweilen wird das ganze Jahr über zu immer mehr Anlässen immer grössere Mengen Feuerwerk abgebrannt. Dadurch werden Feuerwerksemissionen immer mehr auch zu einem Anteil der Feinstaub-Langzeitbelastung werden.

 

Kurzfristig hohe Werte bei der Feinstaubbelastung führen zu Atemwegssymptomen (Husten, Auswurf, Atemnot); Auslösen von Schüben von Bronchitis, Asthma, Herz-Arrhythmien; Arbeitsplatzabsenzen; erhöhter Medikamenteneinnahme bei Asthmakranken; Arzt- und Notfallstationsbesuchen; vermehrten Spitalseintritten (wegen Lungenentzündungen, Asthmaanfällen, Herzinfarkten und anderen Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen); Todesfälle infolge dieser Krankheiten.

 

Insbesondere Kinder, aber auch Risikogruppen und alte Menschen sind von der Feinstaubbelastung gesundheitlich besonders stark betroffen. Laut WHO belegen zahlreiche Studien einen klaren Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Gesundheitsbelastung von Kindern. Auch eine Verschlechterung des Zustands von an Asthma leidenden Kindern und das Auftreten von Husten und Bronchitis bei Kindern durch Feinstaub ist klar belegt.

 

Weitere Studien aus europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten zeigen, dass hohe Luftschadstoffkonzentrationen zu vermehrten Eintritten ins Spital führen. Betroffen sind vor allem ältere Personen oder Leute, welche bereits an einer Atemwegs- oder Herzkrankheit leiden. Eine Zunahme der Schadstoffkonzentration gegenüber der des Vortages um 10 µg/m3 PM10 (zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) hat ungefähr ein bis zwei Prozent mehr Notfalleintritte wegen Atemwegserkrankungen und etwa ein Prozent mehr Eintritte von Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen zur Folge.

 

Feinstaub kann auch Infarkte auslösen: Stieg laut einer Studie der Feinstaubgehalt deutlich an, kletterte die Infarktrate nach zwei Stunden um 48%, in 24 Stunden sogar um 69%.

 

Alle bisherigen Studien haben gezeigt, dass es keinen Schwellenwert für Feinstaubpartikel jeglicher Grösse gibt, unterhalb dessen keine Gesundheitsschäden auftreten. Je mehr und je länger Feinstaubpartikel also auf einen Organismus einwirken, desto höher ist auch die Gefahr für denselben.

 

Feinstaub kommt durch jede Ritze. So lange unsere Häuser nicht luftdicht sind, reicht für gefährdete Personen der Aufenthalt hinter geschlossenen Türen und Fenstern als Schutz vor Feuerwerksemissionen oft nicht.

 

Feinstaub macht keineswegs an Stadt- oder Landesgrenzen Halt; er kann sich über hunderte Kilometer fortbewegen und bleibt längere Zeit (manchmal Tage) in der Luft.

 

Feuerwerke sind, abgesehen vom Genuss der Schönheit der erzeugten bunten Lichtspiele am Himmel, sinnlos. Dort, wo man kann, sollte man den Feinstaub unbedingt eindämmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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