Gedanken zum 1. Aug.

Gedanken zum 1. August 2003

direkt zum "Aufruf an alle, die Feuerwerk aus den Wohnquartieren auslagern wollen

 

 

 

Feuerwerk: Feinstaubschleuder Nr. 1 in festlichen Zeiten

 

 

Wer sich für eine Feinstaubreduktion einsetzt, Feuerwerk dabei aber aussen vor lässt, macht sich unglaubwürdig. Denn Feuerwerksqualm besteht grösstenteils aus lungengängigem und giftigem Feinstaub. Zudem darf nicht vergessen werden, aus welchen Chemikalien sich Feuerwerk zusammensetzt!

 

Die Diskussionen in letzter Zeit über Feinstaub zeigen klar, dass dieses Problem nicht nur die Gesundheit eines kleinen Teils der Bevölkerung sondern uns alle betrifft! Menschen mit schon bestehenden Atemwegs-, Herz- und Kreislauferkrankungen reagieren jedoch besonders auf Feinstaubbelastungen.

 

Es wird gern argumentiert, es handle sich bei der nach abgebranntem Feuerwerk extrem erhöhten Feinstaubbelastung ja schliesslich nur um eine zweimalige Ausnahmesituation pro Jahr und sei deshalb vernachlässigbar.

 

Tatsache ist, dass auch ein kurzfristiger Anstieg von Feinpartikeln "nicht ohne" ist und zu Atemwegssymptomen (Husten, Auswurf, Atemnot), Auslösen von Schüben von Bronchitis, Asthma, Herz-Arrhythmien etc. führen kann. Für Menschen, für die schon die alltägliche Feinstaubbelastung mehr als genug ist, können solch extrem erhöhte Feinstaubbelastungen jedoch sogar lebensbedrohlich werden.

 

Laut den Aerztinnen und Aerzten für Umweltschutz besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Feinpartikelkonzentration und den Atemwegs-, Herz-/Kreislauf- und Krebserkrankungen. Zu Zeiten hoher Feinstaubwerte ist sogar ein Anstieg der Todesfälle festzustellen.

 

Und laut Prof. Dr. Erich Wichmann, Umweltepidemiologe des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit, gibt es für Feinstaub keinen Schwellenwert, unterhalb dessen er ungefährlich wäre.

 

Zudem warnt das BUWAL, Menschen mit Atemwegs- und Kreislauferkrankungen sollten Feuerwerke meiden.

 

Wie aber können gesundheitlich Schwerstbetroffene Feuerwerk meiden, wenn dieses in ihrer unmittelbaren Umgebung abgebrannt wird? Unsere Häuser sind nicht luftdicht gebaut; so genügt ein Rückzug hinter geschlossene Fenster und –läden nicht.

 

Immer mehr Menschen flüchten sich über den 1. August wegen der Feuerwerkerei ins Ausland, sei es nun der eigenen Gesundheit wegen oder ihrer Tiere willen. Aber gerade diejenigen, die gesundheitlich am meisten und unmittelbarsten unter der Feuerwerkerei leiden, sind oft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mobil und können deshalb nicht flüchten.

 

Die einzig logische Konsequenz aus gesundheitlicher Sicht wäre, Feuerwerk ganz zu verbieten. Das wird aber kaum – so schnell – möglich sein. Dennoch muss gehandelt werden!

 

In Anknüpfung an die Petition "Kein Feuerwerk in Wohnquartieren" macht stop-fireworks.org dieses Jahr kurz vor dem 1. August einen Aufruf an alle, die Feuerwerk aus den Wohnquartieren auslagern wollen:

 

Bitte stellen Sie bei Ihrer Gemeinde den Antrag

-         das Abbrennen von Feuerwerk in den Wohnquartieren zu untersagen

-         abseits/am Rand der Wohnquartiere Plätze zum Abbrennen von Feuerwerk am 1. August (und natürlich auch an Silvester) zur Verfügung zu stellen

-         die Bevölkerung über die gesundheitlichen Schäden von Feuerwerk zu informieren (durch Zeitungsinserate, Radio- und Fernsehspots etc.), insbesondere unter Erwähnung der Feinstaubproblematik

 

 

 

FEUERWERKSFREIE WOHNQUARTIERE: damit der 1. August auch für Menschen mit Atemwegs-, Herz- und Kreislauferkrankungen, vorbestehenden Ohrenschädigungen, multiple chemical sensitivity usw. und unsere Haustiere wieder zum Feiertag wird!!

 

 

Quellen:

 

"Todesursache Feinstaub. BMU: Länderwünsche zur Abweichung von EG-Staubwerten nicht im Einklang mit WHO Risiko-Analyse", Stand: Juni 2004, http://www.schule.at/dl/hg_feinstaub.pdf

 

"Feinpartikel (Particulate Matter PM), Mediendokumentation 2003", Aerztinnen und Aerzte für Umweltschutz

 

http://www.presseportal.de/story.htx?nr=685403&firmaid=52678&search=feinstaub 

 

BUWAL, UMWELT-MATERIALIEN Nr. 140, Umweltgefährdende Stoffe, "Feuerwerkskörper: Umweltauswirkungen und Sicherheitsaspekte"

 

 

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Gedanken zum 1. August 2003

 

 

Der Countdown läuft, nur noch ein paar Tage bis zum 1. August: ein Datum, vor dem mir graut. Denn der 1. August ist jedes Jahr wieder ein gesundheitlicher Albtraum für mich.

 

Ich werde mich wie jedes Jahr im Haus verkriechen und sämtliche Fenster und zusätzlich alle Fensterläden schliessen. Doch da das Haus dadurch nicht "luftdicht" wird, wird auch so noch genug von dem giftigen Chemikalienmix des Feuerwerks hineinkommen; so dass ich gezwungen bin, im Haus während der schlimmsten Zeit des Tages noch zusätzlich stundenlang eine Gesichtsmaske zu tragen. Ich werde vom frühen Morgen an Hausarrest haben, denn die ersten Raketen werden sicher wie jedes Jahr schon am frühen Morgen steigen. Egal, wie todmüde ich auch sein werde, ich werde erst schlafen dürfen, wenn kein Feuerwerk mehr abgefeuert wird. Am gefährlichsten für mich als Asthmatikerin ist, wenn mich Feuerwerks-"Abgas" im Schlaf erwischt und ich so erst zu spät auf die dadurch ausgelöste Atemnot/Asthmaattacke reagieren kann. Das erlebe ich immer häufiger, denn in den letzten Jahren wird immer rücksichtsloser das ganze Jahr hindurch Feuerwerk abgebrannt. Ich werde auch am nächsten Tag das Haus nicht verlassen können und wenn überhaupt (kommt auf die Wetterverhältnisse etc. an), dann nur sehr vorsichtig das Haus lüften können, da die ganze Umgebung noch immer voll ist von den Rückständen des Feuerwerks-Chemikalienmixes.

 

Die Aussage des BUWAL's dass <<Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Kreislauferkrankungen empfohlen werden muss, Feuerwerke zu meiden>> zeigt, dass die Behörden sich bewusst sind, dass Feuerwerk, bzw. der dadurch freigesetzte giftige Chemikalienmix, zumindest für einen Teil der Bevölkerung - und meiner Meinung nach langfristig gesehen auch für den Rest der Bevölkerung - gesundheitlich schädlich ist.

 

Ueber ein Viertel der Gesamtbevölkerung leidet bereits bei geringer körperlicher Anstrengung  unter Atemnot. Laut Lungenliga Schweiz sind 10% der Kinder und rund 7% der Erwachsenen in der Schweiz von Asthma betroffen. Selbsthilfegruppen sprechen von einigen Tausend MCS-Betroffenen in der Schweiz. Es geht also schon längst nicht mehr nur um einige wenige Betroffene, sondern um einen grossen Teil der Bevölkerung.

 

<<Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Kreislauferkrankungen muss empfohlen werden, Feuerwerke zu meiden.>> - Niemand mit solchen gesundheitlichen Problemen wird sich freiwillig in die Nähe von Feuerwerk begeben. Was nun aber, wenn rund um das Haus, in dem man wohnt, Feuerwerk abgebrannt wird oder der Nachbar zwei Häuser weiter sein eigenes Feuerwerk im Garten veranstaltet?

 

<<Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Kreislauferkrankungen muss empfohlen werden, Feuerwerke zu meiden.>> - Ist diese Aussage von Behördenseite der einzige "Schutz", den Menschen wie ich, bei denen die giftigen Ausdünstungen von Feuerwerk schlimmste Gesundheitsbeeinträchtigungen/-schäden hervorrufen, von unseren Behörden bekommen?

 

Was ist mit

 

Art. 74 Bundesverfassung        Umweltschutz

    1    Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner natürlichen

          Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen.

    2    Er sorgt dafür, dass solche Einwirkungen vermieden werden...

 

 

 

 

Ein kleiner Teil der Bevölkerung will hier seine Freiheit ausleben und Feuerwerk abbrennen, gleichgültig welchen Preis das von Mensch, Tier und Umwelt fordert:

 

-         Gesundheitsbeschwerden/-schäden beim Mitmenschen (Augenschmerzen / Atembeschwerden bis hin zu schwersten Asthmaanfällen / Uebelkeit / Kopfschmerzen / Schwindel / Nervenschmerzen am ganzen Körper / Herz- und Kreislaufprobleme / Ohrenschmerzen / Bauchschmerzen / Durchfall etc. Lesen Sie mehr dazu auf den Unterseiten "Betroffene" und "Feuerwerk und Asthma")

-         zusätzliche Luftverschmutzung: Die Leistungsfähigkeit der Lunge wird bereits durch geringe Veränderungen der Schadstoffkonzentrationen in der Luft eingeschränkt; Atemwegsbeschwerden stehen in engem Zusammenhang mit der Schadstoffbelastung der Luft -> Feuerwerk ist dadurch nicht mehr nur das "Privatvergnügen" einiger weniger, denn die Luft "gehört" uns allen, dadurch geht Feuerwerk uns alle etwas an / man könnte auch kurz und bündig sagen: "DEIN FEUERWERK VERLETZT MEINE LUNGE!")

-         Rückstände von Schwermetall im Boden

-         Unnötiger zusätzlicher Abfall

-         Lärmbelästigung (und die daraus resultierenden Gesundheitsschäden wie Knalltraumen, akute Mittel- und Innenohrschäden etc. / Uebrigens empfiehlt man auch Menschen mit bereits bestehenden Ohrenschädigungen zum Schutz vor weiteren Schädigungen den "Hausarrest").

-         Feuerwerk ist eine Zumutung für Tiere: kann schwerste Gesundheitsschäden bis hin zu Schockzuständen mit Todesfolge auslösen und ist meiner Meinung nach nichts anderes als Tierquälerei.

-         Immer mehr Menschen werden am 1. August entweder aus ihrer Heimat vertrieben (wer kann, setzt sich an diesem Datum ins Ausland ab, entweder weil er selber das Feuerwerk nicht aushält oder seinen Tieren zuliebe) oder zu Hausarrest verurteilt, also sowohl in ihrer persönlichen Freiheit als auch in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

-         Jedes Jahr unzählige Verletzte und Tote; einerseits durch Explosionen in Feuerwerksfabriken, andererseits beim Abbrennen von Feuerwerk, sei das bei Grossfeuerwerken, wo immer mal wieder eine Rakete direkt in die Zuschauermenge rast oder beim privaten Abbrennen, wo hier und dort mal ein paar Finger abgerissen werden oder auch schon mal ein Kracher im Hosensack explodiert. (Interessant bei all den Unfallmeldungen ist, dass es eine Grosszahl am Abbrand selbst Unbeteiligter trifft).

-         Feuerwerkskörper werden immer mehr als Waffe benutzt (Telefonkabinen, Brunnen, Maschinen etc. werden "in die Luft gesprengt", bei Demonstrationen und Fussballmatchs sind Feuerwerkskörper schon bald Alltag).

 

 

 

 

Dieses Jahr nun wird es wegen der anhaltenden grossen Trockenheit der letzten Wochen und der erheblichen Waldbrandgefahr an einzelnen Orten der Schweiz weder 1.-August-Feuer noch Feuerwerk geben (ausser unter speziellen Auflagen). Die ersten Feuerwerkshersteller und -verkäufer haben sich bereits zu Wort gemeldet und über schwere Einkommenseinbussen bis hin zur Existenzgefährdung geklagt.

 

Ich hoffe, Sie sehen es mir nach, dass ich anhand der obenaufgeführten Liste und meiner eigenen Gesundheit kaum Mitleid für die finanziellen Probleme der diversen Feuerwerkshersteller und -verkäufer aufbringen kann: immerhin hatten diese die Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, ob sie Feuerwerk herstellen und/oder verkaufen wollen. Ich hingegen hatte nie die Wahl, mich für oder gegen meine Krankheit zu entscheiden und wir alle haben nicht die Wahl, ob wir durch den giftigen Chemikalienmix von Feuerwerk geschädigt werden wollen oder nicht.

 

Susanne von Dach

 

 

 

 

 

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